Frauenkabarett

Die Tollkirschen bei ihrem Bühnenauftritt im Bürgerhaus Heiligenwald. Foto: Isabel Sand

Die Tollkirschen auf Kreuzfahrt durch Heiligenwald

Was haben eine Möchtegern-Bloggerin, eine eiskalte Geschäftsfrau, eine Lateinlehrerin mit Wasserphobie, eine gescheiterte Schlagersängerin, eine leichtgläubige Matrosin, eine dominante Altenpflegerin und eine unerschrockene alte Dame gemeinsam? Sie alle haben am Samstag das Publikum im Bürgerhaus Heiligenwald zum Kreischen gebracht.

Die sieben humorbegabten Künstlerinnen, auch unter dem Namen „Die Tollkirschen“ bekannt, waren am Samstag mit ihrer neuen Show „Angetörnt & Abgefahr’n“ zu Gast in Heiligenwald. Ihr fast ausschließlich weibliches Publikum – und einige unerschrockene Männer, darunter  auch Bürgermeister Markus Fuchs – nahmen sie mit auf eine Kreuzfahrt auf dem Luxusdampfer.

Zwischen See- und anderen Neurosen erlebte die muntere unbemannte Reisegesellschaft die Blütezeit der zyklusfreien Frauenjahre. Dabei nahmen sie spielend jenem Gerücht den Wind aus den Segeln, die Midlifecrisis sei eine rein männliche Domäne. Auf der Suche nach überschaubaren Abenteuern und appetitanregender Erholung schwankten und tanzten die Tollkirschen beherzt über die Schiffsplanken, erzählten dem Wind ihr Lied und offenbarten dabei die dunklen Seiten ihrer Seele. 

Da sang die resolute Altenpflegerin aus ihrem früheren Leben als Domina schon mal „ein bisschen schlagen, ein bisschen peitschen…“.Und die offenherzige Reinemachefrau schmetterte ihrer Arbeitgeberin das vernichtende Urteil entgegen: „Es enzische, was bei ihne noch gebürscht wird, sin jo die Hoor“.

Mit Wortwitz, Gesangseinlagen, dunklem Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie griffen Die Tollkirschen Alltagssituationen und Charaktereigenschaften auf, die den Zuhörer/innen wohl so auch schon einmal begegnet sein könnten – auch ohne je auf Kreuzfahrt gewesen zu sein.

Dabei spielten Männer bei dieser Inszenierung nur eine untergeordnete Rolle – bis zum Schluss, als sie ihren Auftritt als reine Lustobjekte hatten. Die wandlungsfähigen Darstellerinnen warfen sich in Männerklamotten und legten einen abschließenden Tanz hin. Der schallende Applaus war ihnen sicher.

Weitere Infos:

Ihre Wurzeln fanden „Die Tollkirschen“ bei einem Theaterworkshop der Stadt Saarbrücken. 2008 präsentierten sie dann ihr erstes abendfüllendes Programm „Jetzt sind wir dran“. Geschmacklich  (und inhaltlich) präsentieren die sieben Tollkirschen das, was ihnen beruflich und privat zufliegt und schöpfen hierbei aus dem breiten Spektrum von Einzelhandelskauffrauen, Krankenschwestern, Arzthelferinnen, Lehrerinnen und Staatsdienerinnen.