Richard Kirn

Richard Kirn

 

Eine Biografie von Bernhard W. Planz

Der langjährige Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei des Saarlandes (<acronym title="Sozialdemokratische Partei des Saarlandes">SPS</acronym>) der Arbeits- und Sozialminister, der engagierte Verfechter der saarländischen Eigenständigkeit und des "Saarstatuts" ist eine der markanten Persönlichkeiten aus der saarländischen Politik, die aus Schiffweiler stammen.

Am 23. Oktober 1902 als Sohn einer kinderreichen Bergarbeiterfamilie in Schiffweiler geboren, wuchs Richard Kirn in einer Zeit auf, in der soziales Elend noch weit verbreitet, die politische und gesellschaftliche Diskriminierung der Arbeiterschaft, teilweise auch direkte Unterdrückung der Arbeiterbewegung alltäglich waren. Im Raum Schiffweiler - Neunkirchen hatten die Hüttenbesitzerfamilie Stumm, die preußische Bergwerksverwaltung und die "ostelbische" Beamtenschaft das Sagen. Zeit seines Lebens war Kirn davon tief geprägt. Nach dem Abschluss der Volksschule, mit knapp 14 Jahren, fuhr er zum ersten Mal "auf der Grube" ein, und zwar im Bergwerk Reden. Hier kam er mit der freien Gewerkschaftsbewegung in Kontakt, die während des 1. Weltkrieges im Saarrevier einen starken Auftrieb erlebte. Schon mit 16 Jahren wurde er Mitglied im "Alten Verband", der der Sozialdemokratie nahestehenden Bergarbeitergewerkschaft, und wenig später, 1919, auch der Sozialdemokratischen Partei. Von Anfang an war damit eine aktive gewerkschaftliche und politische Tätigkeit verbunden. Kirn gehörte bereits in den 20er Jahren zur Führungsspitze der freien Gewerkschaften an der Saar, 1926 wurde er in den Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Partei gewählt. In diesen Funktionen war er einer der Mitbegründer der Sozialistischen Arbeiterjugend an der Saar, der Freien Gewerkschaftsjugend, der Volkshochschule Saarbrücken und der Allgemeinen-Saar-Konsum-Organisation (<acronym title="Allgemeinen-Saar-Konsum-Organisation">ASKO</acronym>).

Vor dem 13. Januar 1935, dem Datum der Volksabstimmung an der Saar, betätigte sich Richard Kirn zusammen mit Max Braun und der gesamten saarländischen Sozialdemokratie ( an ihrer Seite die Kommunisten mit dem aus Landsweiler-Reden stammenden Fritz Pfordt und die katholische Gruppe um den ebenfalls aus Landsweiler-Reden stammenden Johannes Hoffmann) aktiv für den "Status quo", die Beibehaltung der Völkerbundsverwaltung an der Saar. Die Losung: Kein Anschluss an Hitler-Deutschland! Wie zahlreiche andere "Status-quo-ler" musste er nach dem Scheitern emigrieren. Er ließ sich in Forbach nieder, wo er als Sekretär des lothringischen Bergarbeiterverbandes arbeitete und eine Widerstandsorganisation gründete, die unter schwierigsten Bedingungen an der Saar tätig war.

Im Jahr 1937 wurde ihm wegen seiner Widerstandstätigkeit die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Als der 2. Weltkrieg ausbrach, verließ Richard Kirn die gefährdete Grenzregion und suchte in Südfrankreich, im D&eacute;partement "Basses Alpes", Zuflucht. Hier arbeitete er wieder als Bergmann unter Tage, bis er im September 1941 vom Vichy-Regime auf deutsches Verlangen hin verhaftet und ausgeliefert wurde. Nach zwanzig Monaten Untersuchungshaft in Saarbrücken und Berlin-Moabit verurteilte ihn der Volksgerichtshof in Berlin wegen "versuchten Landes- und Hochverrats" zu acht Jahren Zuchthaus. Im April 1945 wurde er von der vorrückenden sowjetischen Armee aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit ( u.a. mit dem Neunkircher Sozialdemokraten Hermann Petri und dem Wiebelskircher Kommunisten Erich Honnecker, dem späteren Staats- und Parteichef der <acronym title="Deutsche Demokratische Republik">DDR</acronym>).

Ende des Jahres 1945 kehrte Kirn ins Saarland zurück und beteiligte sich hier am Neuaufbau der Sozialdemokratischen Partei. Mit Georg Schulte, Peter Zimmer ( der ebenfalls aus Schiffweiler stammte, später Landtagspräsident und Bürgermeister von Saarbrücken wurde), Heinrich Wacker, Ernst Kunkel und Ernst Roth gehörte er dem Gründungsausschuss der SPS an. Auf dem ersten ordentlichen Parteitag am 30. Juni 1946 im Saarbrücker Stadttheater wurde er einstimmig zum Vorsitzenden der SPS gewählt. Er blieb Vorsitzender bis nach dem Referendum vom 23. Oktober 1955. Kirn war 1946 / 47 Direktor für Arbeit und Soziales in der Verwaltungskommission des Saarlandes, gehörte 1947 als Vizepräsident der Verfassungskommission an, war 1947 bis 1955 Mitglied des Landtags und im 1. und 3. Kabinett Hoffmann ( 1947 - 1951; 1952 - 1954) Minister für Arbeit und Soziales. Sein Eintreten für die saarländische Eigenständigkeit und sein Engagement für das 1954 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich ausgehandelte "Saarstatut" führten dazu, dass er neben Johannes Hoffmann im Zentrum der innersaarländischen Auseinandersetzungen stand.

Nach dem Referendum vom 23. Oktober 1955 und dem Aufgehen der SPS in der <acronym title="Sozialdemokratische Partei Deutschlands">SPD</acronym>-Saar im März 1956 zog sich Richard Kirn aus dem politischen Leben zurück und verbrachte seine letzten Lebensjahrzehnte bei Tochter und Schwiegersohn in Saargemünd. Ende der 60er Jahre wieder der SPD beigetreten, war es für ihn eine besondere Genugtuung, dass er 1986 aus der Hand des saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine den saarländischen Verdienstorden erhielt. Richard Kirn starb am 04. April 1988 in Saarbrücken.