Walter Bernstein

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Bürgern ist Walter Bernstein wohlbekannt, landesweit wurde er hauptsächlich als Industrie- und Landschaftsmaler bekannt, obgleich sich seine künstlerischen Möglichkeiten in diesem Genre bei weitem nicht erschöpften.

 

 

Walter Bernstein - Leben

Das früh erwachte Interesse des jungen Walter an der Malerei wurde von seinen Eltern nicht mit Begeisterung aufgenommen. Natürlich sollte er etwas "Handfestes" erlernen, so absolvierte er eine Lehre als Eisenwarenhändler in der Eisenhandelsfirma Ludwig Becker. Da dieser Beruf jedoch nicht seinen Neigungen entsprach, lernte er von 1919 bis 1922 den Beruf des Malers und Anstreichers in Neunkirchen. Als Handwerksgeselle begab er sich wie es damals noch üblich war, auf Wanderschaft, die ihn zunächst nach Karlsruhe und dann nach Nürnberg führte.

 

Auf Grund seiner vorgelegten Arbeiten nahm ihn die Kunstakademie Nürnberg als Studierenden an, wo er von 1923 - 1926 unter den Professoren Will und Selzer arbeitete. 1926 wechselte er an die Akademie für Bildende Künste in Berlin zu Professor Hans Meid über, wo er 1928 zum Meisterschüler ernannt wurde. Nach einem Stipendium an der Villa Massimo in Rom war Walter Bernstein freischaffender Künstler in Berlin und wurde besonders von Käthe Kollwitz und Max Slevogt beeinflusst.
 
Der zweite Weltkrieg unterbrach die künstlerische Laufbahn von Walter Bernstein, von 1939 bis 1944 war Walter Bernstein Soldat an der Ostfront, geriet 1944 in Gefangenschaft und verbrachte bis 1945 eine sehr schlimme Zeit im sogenannten "Hungerlager" Bretzenheim an der Nahe. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft ließ er sich in Neunkirchen nieder. 1947 erhielt er von der katholischen Kirche in Schiffweiler den Auftrag die Pfarrkirche auszumalen, etwa 10 Jahre später wird bei der Renovierung der Kirche Bernsteins Arbeit übermalt. 1947 heiratet er Maria Zewe, 1948 wird Sohn Michael geboren.
 
1949 stellt Walter Bernstein zum ersten Mal in Schiffweiler aus, weitere Ausstellungen folgen, unter anderem auch im Saarlandmuseum in Saarbrücken. Auch das Rathaus in Schiffweiler wurde von Walter Bernstein 1951 künstlerisch ausgestaltet, jedoch sind alle Gemälde bei späteren Renovierungsarbeiten zerstört worden.
 
Walter Bernstein lebte bis zu seinem Tod 1981 in Schiffweiler. Der überwiegende Teil seiner Bilder beschäftigte sich mit der Industrie, mit Kohle und mit Stahl. Doch nicht nur die Industriebilder machten sein Werk aus, sondern seine Arbeiten mit sozialem Hintergrund, die an Käthe Kollwitz erinnern. In seinen Industriebildern sind es die explodierenden Farben, die das Bild beherrschen, die keine Freude ausdrücken, sondern zeigen, wie beherrschend die Industrie gegenüber dem Menschen ist. Viele Kompositionen, die er über seine Heimatgemeinde Schiffweiler malte, zeigen die Kirche und die Grube als beherrschende Elemente des Dorfes.
 
Walter Bernstein ist vielen Schiffweiler Bürgern als ein besessener Maler in Erinnerung. Er bemalte alles, was er in die Hände bekam. Da er keine Aufzeichnungen, keine Aufstellungen über seine Arbeiten gemacht hat, oder sich notierte, wer alles Bilder von ihm besitzt, sind viele Werke daher spurlos verschwunden. Bernstein malte oft mit Rötel, mit Tusche und Feder, in Aquarell und Tempera, Steindrucke, Linolschnitte und Kaltnadelradierungen gehören zu seinem Werk, ebenso auch Kohlezeichnungen und Ölbilder.
 
Um das Werk Walter Bernsteins, der neben Fritz Zolnhofer einer der herausragenden Vertreter des Genres der Industriemaler war, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hat sich die Gemeindeverwaltung Schiffweiler zur Aufgabe gemacht, viele seiner Werke für die Nachwelt zu sichern. So schmücken mehr als zwanzig seiner Bilder die Büroräume  und den großen Sitzungssaal des Rathauses.

Walter Bernstein - Biografie

 

1901

Am 17. Juni 1901 wird Walter Bernstein im Haus Hüttenbergstraße 25 in Neunkirchen geboren. Sein Vater Bruno Bernstein war Baumeister der Bürgermeisterei Neunkirchen. Seine Mutter Amalie Bernstein geb. Kuhfuß stammte aus Elversberg. Aus der Ehe gingen zwei weitere Söhne hervor, Heinz und Bruno.

1907 – 1914

Besuch der Volksschule und des Gymnasiums

1914 – 1918

Lehre in der Neunkircher Eisenwarenhandlung Ludwig Becker

1919 – 1922

Maler und Anstreicherlehre bei der Firma Fritz Soffel in Neunkirchen. Fortbildung in Dekorationsmalerei in der Malerschule Heinrich Gentes in Zweibrücken

1922 – 1923

Gesellenprüfung. Gesellenwanderung nach Karlsruhe und Nürnberg

1923 – 1926

vom Herbst 1923 bis März 1926 Studium an der Kunstgewerbeschule Nürnberg bei den Professoren Will und Selzer

1926 – 1933

von April 1926 bis Ende Wintersemester 1933/34 Studium an den „Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst“ in Berlin-Charlottenburg u. a. bei Professor Hans Meid

1934

Am 30. Juni Verleihung der Rechte eines Meisterschülers

1934 – 1934

Studierender im Meisteratelier für Graphik der Preußischen Akademie der Künste bei Professor Hans Meid an

1636

Eheschließung mit Bertha Bernstein geb. Bodmer in Berlin-Charlottenburg. Bertha Bernstein stammte aus Würzburg und arbeitete unter ihrem Künstlernamen Albertine Comberto als Tänzerin

1939

Tod Bertha Bernsteins in Berlin-Charlottenburg

1939 – 1944

Kriegsdienst – Teilnahme am Polenfeldzug und ab 1940 bei der Flak eingesetzt in Hamburg, Rostock, Warnemünde, Lübeck und in der Eifel

1944 – 1945

Gefangenschaft und Rückkehr in die saarländische Heimat

1947

Eheschließung mit Maria Bernstein geb. Zewe aus Schiffweiler. Schiffweiler ist Wohnsitz des Paares

1948

Geburt des Sohnes Michael. Beteiligung an den Ausstellungen des Bundes der bildenden Künstler an der Saar

1949

Gründungsmitglied der „Saarländischen Sezession“

1951

Walter Bernstein ist auf dem Weg, sich als „Industriemaler“ einen Namen zu machen. Die saarländische Landesregierung beginnt mit ersten Ankäufen den Künstler zu fördern, ebenso auch die „Régie des Mines de la Sarre“ und ab 1954 deren Rechtsnachfolgerin, die „Saarbergwerke“.

1955

Mitglied des „Neunkircher Künstlerkreises“

1960

ab 1960 regelmäßige Studienreisen nach München

1962

ab 1962 zahlreiche Aufträge für Wandgestaltungen im gesamten Landesbereich

1970

für die beiden Gemälde „Kleines Mädchen“ und „Saar-Landschaft“ erhält er beim „Grand prix international de peinture et de sculpture de Monte-Carlo / Illme Salon Bosio“ die Auszeichnung der „Palme d’or“

1980

Tod des Sohnes Michael

1981

Walter Bernstein stirbt am 26. März 1981