Pingen Pfad

Unterwegs auf dem Pingen Pfad. Foto: Isabel Sand

Bergbaugeschichte, Bodenlöcher und Bäckchen vom Schwein

Es ist ein herbstlicher Nachmittag als sich eine Gruppe von 20 Wanderern aufmacht, den Pingen Pfad zu entdecken. Vom Itzenplitzer Weiher führt die Tour in den Grubenwald, vorbei am Pingenfeld, das voller trichter- und grabenförmigen Kohlenlöcher ist, in einer Schleife wieder zurück zum Weiher und endet in der Gaststätte zum Itzenplitz.

Letzteres mag der Grund sein, warum diese Wandersleute so motiviert sind und es kaum abwarten können, aufzubrechen. Am 22. September ist Gästeführer Stefan Forster zum zweiten Mal zur kulinarischen Wanderung aufgebrochen. Am Ende der fünf Kilometer langen Tour erwartete die Wanderer ein Drei-Gänge-Menü. Als Vorspeise wurde ein herbstliches Kartoffelsüppchen kredenzt. Zum Hauptgang wurden Schweinebäckchen an dunkler Soße serviert. Abgerundet wurde das Menü schließlich mit einem Schokoladenküchlein.

Bewegte Bergbaugeschichte

Doch zunächst sollten die Teilnehmer den Pingen Pfad entdecken und sich mit Forster auf eine Reise in die bewegte Bergbauvergangenheit der Region begeben. Angefangen beim Pumpenhäuschen, das weithin über die Grenzen von Heiligenwald bekannt ist, erklärt Forster die einzelnen Stationen auf dem Bergbau-Pfad. So war der Itzenplitzer Weiher früher wie heute ein beliebter Ort zur Erholung. In der Mitte der 1930er Jahre war hier auf Initiative eines Schwimmvereins und mit Unterstützung der Gemeinde Heiligenwald eine Badeanstalt errichtet worden. An Sonn- und Feiertagen traf man sich hier, schwamm ein paar Runden oder nutzte das Drei-Meter-Sprungbrett für gewagte Sprünge ins kühle Nass. „Der Itzenplitzer Weiher ist damals wie auch heute das Herzstück von Heiligenwald“, erklärt Forster, während er einige historische Bilder in der Gruppe herumreicht.

Weiter führte der Weg entlang des Ufers, vorbei an Seerosen und hinein in den Grubenwald. Nach einiger Wegstrecke wandeln  die Teilnehmer nur noch auf einem schmalen Pfad, der schließlich über einen nahezu ausgetrockneten Bach führt. „Früher gab es hier Bachforellen“, sagt Forster. Für viele kaum vorzustellen – nicht nur aufgrund des niedrigen Wasserstandes, sondern auch weil das Bachbett kohlrabenschwarz ist. „Das liegt an dem Kohlestaub, der an den Kieseln haftet“, so der Gästeführer. An anderen Stellen gebe es laut Forster auffällig rotbraun leuchtende Färbungen der Bachläufe, was an den Eisenausfällungen an Quellen im Wald läge.

Der Wald selbst zeigt sich von seiner schönsten Seite. Die Wanderung führt durch einen Mischwald vorbei an alten Eichen und dichtem Unterholz. Die Farbe der Blätter nur noch matt grün, einige schon verfärbt, kündigen sie zweifelsohne den Herbst an. „Im Frühjahr nisten hier Käuzchen“, sagt Forster mit dem Blick auf ein übermäßig großes Vogelhaus.

Holzgesicht lugt zwischen Bäumen hervor

Aber da, was ist das? Zwischen den Bäumen lugt ein grimmig dreinblickender Gesell mit langem Bart hervor, ganz so als würde er die Wandergruppe aus einiger Entfernung beobachten. „Ein Glück, dass der nur aus Holz ist“, sagt jemand aus der Gruppe. Tatsächlich ist das Gesicht aus einem Baumstumpf geschnitzt worden.

Schnitzkunst findet sich auch direkt am Wegesrand. An einer Ruhebank steht ein wackerer Bergmann mit Lampe, als würde er über das Pingenfeld wachen. Nirgendwo sonst im Wald zeigen sich die bergbaulichen Aktivitäten früherer Zeiten so deutlich wie an jenem Pingenfeld, das voller Kohlenlöcher, den sogenannten Pingen, ist. Am Ende der kohleführenden Schichten, der Flöze, die an der Tagesoberfläche ausstrichen, gingen die Kohlengräber, oft mit Feldhacken und Spaten ausgerüstet, in den Berg. Die Orte wurden so lange genutzt, bis die Flöze mit den damaligen technischen Mitteln nicht weiter abgebaut werden konnten, zusammenbrachen oder aber die entstandenen Löcher voll Wasser liefen. Im Raum Merchweiler-Heiligenwald sind laut Experten zwischen dem Altsteigerhaus und dem Itzenplitzer Weiher über 350 solcher Hohlformen erhalten geblieben. Das Areal gilt als größtes Pingenfeld des Saarbergbaus.

Wer zwischen den Pingen unterwegs ist, kann sich lebhaft vorstellen, wie hier einst Bergleute nach Kohle gruben. Auf sie wartete sicherlich kein Drei-Gänge-Menü wie auf die Wanderer, die an diesem Tag in die lebendige Bergbaugeschichte Heiligenwalds eintauchen durften. Mit den ersten Regentropfen nimmt Gästeführer Stefan Forster eine kleine Abkürzung und geleitet die Gruppe sicher zum Gasthaus, wo die Vorspeise schon wartet.

Weitere kulinarische Wanderungen sind geplant.

 

Autorin: Isabel Sand